SIG SG711: Kontroverse um Zulassung in den Schiesssport

SIG SG711 – Modernes halbautomatisches Gewehr von SIG Sauer, optimiert für Präzision und Modularität. Ausgelegt für GP11-Munition mit hochwertiger Verarbeitung und ergonomischem Design für Sportschützen.
Das SIG SG711 von SIG Sauer – ein hochmodernes Sportgewehr mit modularer Bauweise, entwickelt für maximale Präzision und Performance. (Bild: SIG SAUER AG)

Das SIG SG711 von SIG Sauer AG ist ein modernes Sportgewehr, das auf Präzision, Sicherheit und Modularität setzt. Während der Hersteller es als logische Weiterentwicklung für den Schiesssport sieht, hat der Schweizer Schiesssportverband (SSV) die Zulassung für Wettkämpfe vorerst vertagt. Dies führt zu Diskussionen über die Integration neuer Waffen in bestehende Strukturen.


Entscheidung des SSV: Warum wurde die Zulassung vertagt?

Der SSV hat an der Präsidentenkonferenz 2024 entschieden, das SG711 vorerst nicht für Wettkämpfe zuzulassen. Dies bedeutet, dass es nicht in die Wettkampfregeln aufgenommen wird, bis weitere Diskussionen 2025 geführt wurden.

Gründe für die Vertagung:

  • Auswirkungen auf Wettkampfstrukturen: Eine sofortige Einführung würde bestehende Schiesspläne beeinflussen, insbesondere das Eidgenössische Schützenfest 2026.
  • Neue Kategorie erforderlich? Das SG711 passt nicht nahtlos in bestehende Gewehrklassen. Es ist leistungsstärker als das Stgw57-03, aber keine klassische Ordonnanzwaffe.
  • Vergleichbarkeit mit bestehenden Waffen: Ein Wettbewerbsvorteil durch bessere Ergonomie und Präzision könnte die Fairness in der Kategorie D beeinflussen.
  • Zulassung für Bundesübungen & historische Schiessen: Das SG711 wird nicht für Bundesübungen zugelassen, da es keine offizielle Ordonnanzwaffe ist.

An der Präsidentenkonferenz 2025 soll erneut über die Zulassung diskutiert werden.


SIG Sauer AG: Kritik am Entscheid des SSV

Die SIG Sauer AG bedauert die Verzögerung der Zulassung und betont, dass das SG711 auf dem bewährten Stgw90 PE basiert und eine moderne Lösung für Schützen sei, die das Kaliber GP11 bevorzugen.

Haltung von SIG Sauer:

  • Markteinführung trotz Vertagung: Ungeachtet des Entscheids hat SIG Sauer das SG711 per 1. Januar 2025 auf den Markt gebracht.
  • Nutzung ausserhalb von Wettkämpfen: Das SG711 kann auf Schiessständen genutzt werden, sofern es sich nicht um Bundesübungen oder SSV-reglementierte Wettkämpfe handelt.
  • Engagement für den Schiesssport: SIG Sauer betont, dass das SG711 die Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit des Sports verbessern könnte.



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Vor- und Nachteile des SIG SG711 im Überblick

Vorteile:

  • Sicherheit: Kürzerer Schliessabstand als das Stgw57 → geringere Risiken
  • Ergonomie & Modularität: Vergleichbar mit dem Stgw90, aber für GP11 optimiert
  • Zubehörkompatibilität: Viele Stgw57/03-Anbauteile können weiter genutzt werden
  • Ersatzteilverfügbarkeit: Langfristige Ersatzteil- und Serviceversorgung durch SIG Sauer

Nachteile:

  • Unklare Wettkampfzuordnung: Keine direkte Einordnung in bestehende Kategorien
  • Nicht für Bundesübungen zugelassen: Keine offizielle Ordonnanzwaffe
  • Kostenpunkt: Mit CHF 4’950 liegt das SG711 über dem Durchschnitt gängiger Alternativen


Technische Daten des SIG Sauer SG711

Eigenschaft Details
Kaliber GP11 (7.5x55mm)
Magazinkapazität 10, 15, 24 Schuss (kompatibel mit Stgw57-Magazinen)
Lauflänge 24″ (609.6 mm)
Gesamtlänge 1’010 mm
Gewicht 4.1 kg
Schaftmaterial Hochwertiges Holz
Visierung Dioptervisier für präzises Zielen
Lauf Kaltgehämmert für erhöhte Lebensdauer
Feuermechanismus Halbautomat
Schulterstütze & Handschutz Original Stgw90
Material Robuster Stahl und hochfestes Polymer
Zubehör Inklusive Reinigungsset und Trageriemen
Preis ab CHF 4’950.00


Fazit: Abwarten oder neue Wettkampfklasse?

Das SG711 ist eine technologische Weiterentwicklung, die sich an Sportschützen richtet, aber aktuell keinen Platz in offiziellen SSV-Wettkämpfen hat. Die entscheidende Frage bleibt: Sollte das SIG 711 eine eigene Wettkampfklasse bekommen oder in bestehende Strukturen integriert werden?

Der SSV wird sich 2025 erneut mit dieser Frage befassen. Bis dahin bleibt das SG711 eine interessante Option für Schützen, die auf modernste Technik und Präzision setzen.

Wie seht ihr das? Sollte das SG711 eine eigene Klasse bekommen oder in bestehende Wettkämpfe aufgenommen werden? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

2 Gedanke zu „SIG SG711: Kontroverse um Zulassung in den Schiesssport“

  1. Nicht einfach zu beantworten:
    a) Mich wundert, dass SIG das Gewehr entwickelt hat, ohne die vom SSV jetzt aufgeworfenen Punkte vorab hinreichend geklärt zu haben. Es dürfte von Anfang an klar gewesen sein, dass es i) niemals als Ordonnanzwaffe eingestuft wird, ausser die Armee (äusserst unwahrsheinlich) oder der Grenzschutz oder eine andere Bundesbehörde nimmt es offiziell als Dienstwaffe auf (wohl kaum, da diese präzisere Scharfschützengewehre mit ZF haben; siehe aber zum Vergleich etwa die inzwischen unzähligen P76-Modelle, die gem. Hilfsmittelverzeichnis ebenfalls als Ord.Pistolen gelten – warum also nicht?); und ii) das SG711 nicht dem Feld A (Sportfwaffen) zugeordnet werden kann;

    b) noch mehr Kategorien neben A, D und E bei Schiessanlässen? Nein, Danke! (Bin regelmässig im OK bei unseren Schiessanlässen und weiss, wovon ich schwätze);

    c) seitens des SSV ist es dringend notwendig, die gesamte Kategorieneinteilung zu überdenken, auch und insbes. in Bezug auf die ab 2025 aufrüstbaren Stgw. 90. Diese mit Visierlinienverlängerung + Ringkorn zusammen mit Stgw. 57-02 zu packen, passt nicht mehr. Besser wäre Stgw. 90-03 (mit Visierlinien-Verlängerung) zusammen mit Stgw. 57-03 – und dann auch später das Stgw. 711 im Feld D. Karabiner ab sofort zusammen mit Stgw. 57-02, Stgw. 90-02 (inkl. Ringkorn, aber ohne VL-Verlängerung; einfach zu unterscheiden anhand der alten Visiertrommel) im Feld E (bin selbst kein Kar-Schütze, sondern schiesse im Feld A);

    d) es muss sich erst noch zeigen, ob das neue SG711 dem Stgw. 57-03 von der Präzision her überhaupt überlegen ist. Was man bislang so hört, besteht bei der Präzision entwicklungstechnisch nämlich noch erheblicher Nachholbedarf bei der SIG. Und es dürfte klar sein, dass dann auch sehr schnell der Ruf nach Sportläufen für das SG711 laut wird.

    Fazit: Es wird noch viel Wasser den Rhein hinab- und bei der SIG in Neuhausen am Rheinfall vorbeilaufen.

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